Marokko...wirklich ein Muss?



Aus meiner Sicht ein definitives Nein. Ja, die Landschaft ist durchaus abwechslungsreich und schön. Das Essen allerdings sehr fade. langweilig und teuer. Also ganz anders, als ich es mir erwartet hatte.

Damit allein könnte man ja noch leben. Was für mich unerträglich war, ist die Haltung der Männer. Natürlich hatte ich lange Kleidung an und habe mich angepasst, aber überall Cafés ausschließlich für Männer, die dich massiv anglotzen, dich sehr abwertend anschauen, die dich belagern, bedrängen, das ist für mich ein absolutes No-go. Ich war auch in anderen primär muslimischen Ländern, aber hier war es für mich untragbar. Nachts allein kann ich mir also gar nicht vorstellen, das verhagelt einem gerne mal die ganze Reise

Fez

Die Medina ist sehr unübersichtlich, aber durchaus sehenswert. Auch Mitte September waren es aber über 40 Grad, das muss man auch mal in engen Gassen aushalten. Es gibt ein reiches Angebot, aber irgendwie sind auch alle aufdringlich, ein Nein wird nur schwerlich akzeptiert, Hilfsbereitschaft primär gegen Bezahlung. Unser Riad Bab jdid Dar war schön, leider nicht sehr hygienisch, kein Sonnenschirm, was bei der Hitze schon eigentlich den Aufenthalt unmöglich macht, sodass in ein Hotel mit Pool gewechselt wurde, dort ließ es sich gleich viel besser aushalten Maison d´hotes La Ferme AZIZA

Chefchaouen

Und die Tortur geht weiter. Eine mehrstündige Fahrt in einem unklimatisierten, überfüllten Touribus, bei der mal die ganze Wirbelsäule neu sortiert wird, ist nur der Anfang. Kurze Stopps an schönen Aussichtspunkten, aber natürlich mit zahlreichen Souvenirhändlern, die, wer hätte es gedacht, aufdringlich sind. Natürlich verstehe ich, dass alle nur leben und Geld verdienen wollen, aber die Art und Weise ist mir sehr sauer aufgestoßen. Dann kommt man in einer Bullenhitze, leichter Übelkeit und Kopfschmerzen an und hat zwei Stunden, um mal schnell durch die Stadt zu rennen. Natürlich ist die Stadt grundsätzlich schön, aber ich wäre gerne in Ruhe geschlendert, ein gemütliches Mittagessen etc., das war leider nicht drin. Abends wird man dann an einem anderen Ort abgesetzt und kann dann viel später als erwartet, im Dunkeln und hungrig durch Fez irren, um sich ein Abendessen zu organisieren und das Riad zu finden.

Ifrane und Umgebung

Ifrane, das Atlasgebirge und die Umgebung sind landschaftlich wunderschön. Wir waren privat unterwegs, was es etwas flexibler gemacht hat. Im Gebirge findet man aber Dinge, die dem Tierschutzherz Schmerzen zufügen: verzogene Berberaffen, die überhaupt nicht mehr wissen, welches Verhalten eigentlich normal wäre; Pferde mit durchhängendem Rücken, weil immer wieder Influencer mal auf dem Rücken eines Pferdes durch den Zedernwald geführt werden wollen, alles für das perfekte Foto, halb verhungerte Kitten ohne Mutter, magere Hunde, die selbstverständlich verscheucht werden...also auch hier, so gar nicht mein Ort, leider. Wer das ignorieren kann, kann aber im Gebirge ein schönes Picknick machen, spazieren gehen und die Seele baumeln lassen...mit aufdringlichen Affen und Souvenirverkäufern. Ich würde definitiv an Verpflegung denken, denn so richtig etwas wird nicht angeboten.

Tierschutz und Müll

Wo soll ich da anfangen? Fez an sich macht einen sauberen Eindruck, abgesehen von der Medina. Außerhalb ist es aber ein Graus. Alles liegt voller Müll, mittendrin stehen abgemagerte Esel und Katzen suchen Futter. In den Städten haben die Leute kapiert, dass man damit Geld verdienen kann, also wird Touristen teures Katzenfutter verkauft, damit die armen Katzen nicht verhungern. Diese werden getreten, mit Steinen beworfen usw. Hunde sind noch mal ein ganz anderes Thema. Große Teile der Bevölkerung halten sie für Dämonen, unsauber und gefährlich. Aktuell findet eine "Säuberungsaktion" statt, d.h. bis zur WM sollen etwa 3 Millionen Hunde getötet werden. In Ifrane habe ich eine Hündin kennengelernt, die sofort mein herz erobert hat. Zurück in Deutschland habe ich alles unternommen, um sie zu retten, was mir auch gelungen ist. Loki wurde mit wenigen Wochen das Fell auf dem Rücken abgezogen und der Schwanz abgeschnitten. Täglich werden Hunde erschossen, vergiftet, Esel ausgesetzt und zum Sterben zurückgelassen, es kommt sogar zu Vergewaltigungen und das ganze in Bergen von Müll. Mila und Loki sind heute bei mir. Nicht jeder muss hier meine Ansichten teilen, aber für mich hat sowohl das Tierleid als auch der Müll Marokko zu einem Ort gemacht, den ich nie wieder besuchen werde.

Die Wüste haben wir uns sogar verkniffen, nachdem dort die Kamele ebenfalls unter Umständen misshandelt werden und junge Wüstenfüchse gefangen werden, damit Touristen ein Foto machen können. Werden die Tiere größer und damit nicht mehr leicht zu handeln, werden sie häufig getötet.

Fazit...von Frau zu Frau

Wenn du Sicherheit, Ruhe und Gelassenheit als Frau alleine suchst, ist Marokko nicht dein Land. Unterm Strich ist mir so vieles negativ aufgefallen, dass mir positives Feedback schwerfällt. Trotzdem kann die Landschaft durchaus punkten, wenn man diverse Gegebenheiten ausblendet oder diese für einen selbst nicht wichtig sind. Sei aber allein, besonders nachts, wachsam.